Behandlung der Lendenwirbelsäule

Die operative Behandlung der Lendenwirbelsäule ist ein wichtiger Schwerpunkt unserer Tätigkeit.
Im Jahr 2013 wurden von den insgesamt fast 1200 Eingriffen, 880 an der Lendenwirbelsäule vorgenommen.
Der überwiegende Teil bilden die  3-D-Mikrochirurgische Operationen.

Die 3D Mikrochirurgie

Bandscheibengewebe kann aus der Bandscheibe austreten und auf einen Nerven drücken. Die Folge sind heftigste Schmerzen und sogar Schädigungen der Nerven, sowie Lähmung oder Taubheit. Häufig ist der Körper in der Lage einen Vorfall zu “verarbeiten”, z.B. dadurch, dass das ausgetretende Gewebe, wie eine Traube eintrocknend zur Rosine wird. Dieses Eintrocknen kann bis zu 6 Wochen dauern. Dieser Prozess wird durch verschiedene ärztliche Therapien unterstützt.
Dies gelingt aber nicht immer und machmal ist die Rosine noch zu groß für den Nerv. Es kann aber auch sein, dass ein Abwarten nicht vertretbar ist, nämlich in solchen Fällen, wenn der Schmerz eine zu große Einschränkung der Lebensqualität bedeutet oder die Schädigungen den Nerv zu sehr beeinträchtigen. In solchen Fällen muss der Vorfall entfernt werden.
Es existieren verschiedene Methoden. Die wissenschaftlich bestens gesicherte Methode ist die 3-dimensionale-mikroskopische Entfernung des Vorfalls. Hier wird über einen möglichst kleinen Schnitt ein schonender Zugang zur Wirbelsäule freigelegt. Ziel ist es nur minimalste Muskelverletzung zu verursachen. Mit Hilfe des Mikroskops entsteht ein optimal beleuchteter, 3-dimensionaler, vergrößerter Blick in den Nervenkanal. Die Nerven und der Vorfall, sowie die Bandscheibe sind klar erkennbar. Wenn möglich wird nur der ausgetretene Vorfall entfernt, gegebenfalls ein kleiner Teil des Bandscheibenkerns und vorhandene Knorpelablagerungen. Ziel ist es die “normale” Anatomie so wenig wie möglich zu beeinflussen.

Operationsablauf

Eine 3-D-Mikro-OP wird in Vollnarkose durchgeführt. Der Patient wird in Bauchlage positioniert. Nachdem mit einem Röntgenbild die betroffene Bandscheibe lokalisiert ist, wird die Haut über etwa 2 cm genau in der Mittellinie eröffnet. Die Muskeln werden über eine kurze Strecke leicht zur Seite geschoben und ein kleines Band zwischen den Wirbelbögen entfernt. Durch das Mikroskop können jetzt die Nerven dargestellt werden.

Das MRT ( Kernspintomographie) hat die genaue Position des Vorfalls dargestellt, so dass genau an der vorher bestimmten Stelle das Bandscheibengewebe entfernt werden kann. Es zeigt sich jetzt ob der Faserring der Bandscheibe noch offen ist, dann wird ein wenig des Bandscheibenkerns entfernt. Ist der Fasserring wieder verschlossen, bleibt die eigentliche Bandscheibe unberührt. Aufgrund der Vergrößerung des Mikroskops, können auch kleinste Gefäße versorgt werden und in der Regel kann man auf eine Drainage verzichten. Der Zugang wird schichtweise verschlossen, eine Hautnaht reicht. Die wesentlichen Momente der OP werden auf einen USB-Stick übertragen. Diesen darf der Patient anschließend mit nach Hause nehmen.


Nach
der OP

Die erste Stunde liegen Sie auf dem Rücken, danach dürfen Sie sich eine beliebige Lage suchen. 5 Stunden nach Ende der OP werden Sie in Begleitung einer Schwester aufstehen und die Toilette besuchen, sitzen ist erlaubt.
Am ersten Tag nach der OP verbringen Sie 15-20 Minuten pro Stunde außerhalb der Horizontalen. Beim Gehen bewegen Sie sich locker und entspannt, Sie dürfen sitzen!
Am zweiten Tag sind es dann 20-25 Minuten pro Stunde usw.
Wichtig :
Ihr Rücken oder Ihre Beine bestimmen Ihr Tempo. Nicht Ihr Kopf!
Die in den ersten 2 Wochen eventuell auftretenden Beschwerden sollten Sie einfach zum Anlass nehmen sich zukünftig rückenschonender zu bewegen.

Ich bin der Meinung, dass es sinnvoller ist sich schrittweise aber möglichst rasch wieder an die alltägliche Belastung zu gewöhnen, statt sich wochenlang strikt zu schonen, mit der Erwartung plötzlich wieder alles zu können.

(Zitat: Drs. Patrick Simons)